Weil wir Greifensteiner stets das Abenteuer suchen, haben wir uns letzten Sonntag zum Raften auf die Enns gewagt.
17. August, 6 Uhr früh: Morgennebel umhüllen das verschlafene Wien, als sich Ben, Nathan, Gizmo (hat durchgemacht), Werwolf, Jasmin (als Fotografin für den "Wiener Zeitung"-Test und weil sie überhaupt die Idee hatte) mit den beiden Spähfuxen Benni und Tobi am Reumannplatz treffen. Nach einem kurzen Zwischenstopp, bei dem Horus am Wienerberg aufgeklaubt wird, geht es ab in die Steiermark, wo wir um 10 Uhr im Gesäuse einen Raftingtermin vereinbart haben. Als wir bei Trieben von der Autobahn abfahren und uns dann über Serpentinen in Richtung Gesäuse winden, hat sich der Nebel noch nicht wirklich gelichtet - und so passiert es, dass wir Googles Wegbeschreibung missverstehen und einmal falsch abbiegen - in der Folge machen wir eine kleien Fahrt mit der Kirche ums Kreuz. Macht aber nix, wir kommen trotzdem überpünktlich in Johnsbach an, wo uns unser Raftguide Christoph Strobl – „Sagt’s einfach Chrisi zu mir“ – erstmal einkleidet: Neoprenanzug, Neoprenschuhe, Schwimmweste und Helm werden angelegt, "den Rest erklär ich euch auf dem Boot". Und ab gehts mit dem Kleinbus zur EInstiegstelle am Ufer der Enns.
Dort stellen wir fest: Die Voraussetzungen fürs Rafting sind denkbar minimal: Schwimmen muss man können und die Kommandos des Raftguides befolgen, nämlich „alle vorwärts", „alle rückwärts", „links rückwärts" oder „rechts vorwärts" paddeln. Viel mehr gibt's eigentlich nicht. Ach ja, das wichtigste Kommando lautet „Stopp!“, erklärt Chrisi schmunzelnd: „Die Paddel weglegen und den Ausblick genießen, dieses Kommando wird immer am schnellsten befolgt.“
Man kann es verstehen, wenn man so wie wir in der Mitte der Enns dahingleitet und links und rechts die steilen Felswände des Naturparks Gesäuse („Xeis“, wie die Einheimischen sagen) aufragen. Bootsführer Chrisi reißt zwar einen Witz nach dem anderen über Wellengang und Strömungen – ein Blick in sein Gesicht genügt aber, damit wir uns sicher fühlen: Der 23-Jährige, der rund 130 Touren pro Jahr die Enns flussabwärts fährt, strahlt die beruhigende Gelassenheit des Vollprofis aus. Zudem ist unserem Raftguide wohl bewusst, dass er mit sechs blutigen und zwei halben Anfängern im selben Boot sitzt. Im Gegensatz zu einigen Besatzungsmitgliedern auf den anderen Booten, die ebenfalls unterwegs sind, schreien wir allerdings nicht hysterisch herum, wenn wir nach dem Kentern im Wasser treiben. Und das Kentern gehört irgendwie dazu, wobei es manchmal unfreiwillig aus purem Pech passiert und dann wieder gezielt aus purer Ausgelassenheit. „Weil’s ja sonst fad ist", finden vor allem Gizmo und Nathan. Auch Benni und Tobias haben sichtlich Spaß, während Jasmin als einziges Mädel an Bord die Arschkarte hat. Ihr ist nämlich saukalt - der Neoprenanzug ist nämlich eine Nummer zu groß (für ihre zarte Figur gab es keinen passenderen), weshalb sich offenbar das Wasser drin nicht so gut erwärmt wie in den anderen.
Wir Burschen haben jedenfalls kein Problem mit den zehn Grad Wassertemperatur. Außerdem sind ja alle schnell wieder an Bord und wärmen sich beim Paddeln rasch wieder auf. (Passiert ist übrigens niemandem auf den fünf Raftingbooten etwas.)
Hätten wir nicht Chrisi am Steuer, der uns durch teilweise fast zwei Meter hohe Wellen lenkt (die Enns führt gerade Hochwasser), wäre uns vielleicht schon ein bisschen bange. Schließlich treiben wir mit rund 15 Stundenkilometern durch Wellenberge und -täler, und das (samt Besatzung) gut 700 Kilo schwere Schlauchboot wird dabei nicht nur einmal wie eine Nussschale hin und her geschleudert. Weil aber Chrisi versprochen hat, dass wir nicht sinken werden, und wir ihm das auch glauben, genießen wir die wilde Fahrt einfach und machen uns nichts draus, wenn eine Woge über dem Boot bricht und uns das Wasser ins Gesicht spritzt. Schließlich sind wir ja beim Raften auf der Enns und nicht beim Rudern in Cambridge.
Und so schnell wie der Adrenalinspiegel steigt, ist auch leider der erste Teil der Fahrt nach knapp zwanzig Minuten schon wieder vorbei. Dann heißt es ans Ufer steuern, das Boot aus dem Wasser ziehen, an Land zum Anhänger schleppen, verstauen und vertäuen, ab in den VW-Bus und zurück zur Einstiegstelle. Dort wird das Boot wieder zum Fluss geschleppt, zu Wasser gelassen, alle Mann rein und ab geht die Post. Diesmal fällt uns das Genießen noch leichter, schließlich bewegen wir uns ja jetzt auf bekanntem Terrain – was zur Folge hat, dass wir noch weniger Angst vor den hohen Wellen haben. Und bei mutigeren Manövern noch nasser werden. Keine Frage, unser Abenteuerhunger wurde nur ansatzweise gestillt, denn beim Umziehen taucht bereits der nächste Vorschlag auf: „Nächstes Mal probier ma Canyoning, okay?!"
Montag, 18. August 2008
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